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Eingewöhnung eines Kindes an die Nanny

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Eingewöhnung eines Kindes an die Nanny

Liebe Nannys, liebe Eltern

Kinder brauchen von Geburt an beständige Beziehungen. Nur so fühlen sie sich sicher und geborgen, um die Welt zu erkunden. Damit das Kind dieses Urvertrauen entwickeln kann, braucht es eine feste Bezugsperson, die einfühlsam und fürsorglich mit ihm umgeht. Erste und wichtigste Bezugspersonen sind meist die Eltern. Ein Kind kann auch zu weiteren Personen eine vertrauensvolle Beziehung entwickeln, sofern die Betreuung regelmässig und zuverlässig ist und die Eingewöhnung sorgfältig durchgeführt wird.

Dies gilt auch und gerade für die Beziehung zu einer Nanny. Die Eingewöhnung eines Kindes an die Nanny bildet die Basis, damit es sich später wohl und geborgen fühlt und positiv weiter entwickeln kann. In dieser ersten Zeit sind Verlustängste zu bewältigen, die mit der Trennung von den primären Bezugspersonen verbunden sind. Auch die Eltern trennen sich unter Umständen erstmals für eine längere Zeit von ihrem Kind. Die Nanny muss die Signale des Kindes wahrnehmen, auf diese angemessen reagieren und auf die Anliegen der Eltern einfühlsam eingehen.

 

Eine sorgfältig geplante und bewusst gestaltete Eingewöhnungszeit ermöglicht dem Kind, sich schrittweise an die neue Situation zu gewöhnen und sich mit der neuen Bezugsperson auseinanderzusetzen. Das Kind lernt sich zurechtzufinden mit

  • „Fremde“ Sprache/Stimmlage – gerade bei kleineren Kindern sehr wichtig
  • Fremde Gewohnheiten
  • einem leicht veränderten Tagesablauf – Eltern verlassen das Haus

 

Die Nanny hat Zeit, die Familie im Alltag zu erleben, wie die Eltern sprechen, mit den Kindern Essen und spielen. Sie wird sich mit den Eltern über die Vorstellungen in Erziehung und Ernährung austauschen und sich nach Lieblingsspiel und dem aktuellen Entwicklungsstand erkundigen. Je nach Kind braucht dies zwei bis drei Wochen.

Doch auch die Eltern profitieren. Nach einer 14-tägigen Eingewöhnung, während der ich das Kind von Montag bis Freitag jeden Tag sah; jeden Tag etwas länger, sagte mir die Mutter als sie zum ersten Mal für zwei Stunden ausser Haus ging: „Jetzt wird es etwas schwieriger, doch wohl nicht für mein Kind, sondern für mich!“ Ja, Sie als Eltern müssen ihr Kind einer anderen Person anvertrauen. Wie können Sie das ruhigen gewissens tun, wenn Sie diese Person kaum kennen? Da genügen gute Referenzen nicht. Am zweiten Freitag, bevor sie dann wieder arbeiten ging sagte sie: „Jetzt kann ich beruhigt, meine Arbeit aufnehmen. Ich weiss, meinem Kind geht es gut.“ Als Nanny ist das genau, was wir uns für Eltern und Kind wünschen.

 

Noch ein paar Tipps die das Eingewöhnen für alle erleichtert:

  • Eltern sprechen im Voraus von den kommenden Veränderungen. Sie können dem Kind – auch einem Säugling - erzählen, was für eine Person kommt, was sie tun wird.
  • Vor allem am Abend zuvor und am Morgen des Besuches soll dieser vorangekündigt werden.
  • Bitte, lasst dem Kind Zeit, selbst auf die neue Bezugsperson zugehen zu können.
  • Hilfreich kann sein, wenn das Kind der Nanny die Wohnung/das Kinderzimmer oder anderes zeigen darf.
  • Es ist wichtig auch nach dem Besuch noch einmal mit dem Kind zu sprechen. Je nach Alter kann es schon selbst seine Meinung mitteilen.
  • Vielen Eltern graut es vor dem Abschied, weil das Kind weinen könnte. Dies ist eher der Fall, wenn das Kind bei der Eingewöhnung schon etwas älter ist. Doch auch dann sollten die Eltern sich nicht davon stehlen. Das ist für das Kind nur viel schlimmer. Wird der Abschied zu einem Ritual, wie z.B. ein Kuss und einem immer wiederkehrenden Satz: „Ich wünsche dir eine gute Zeit. Ich bin nach dem Mittagsschlaf wieder da.“ So wird dies zu einer vertrauten Handlung.

 

Die Eingewöhnungszeit gilt als Arbeitszeit und ist im normalen Stundenansatz zu vergüten

Die Nanny muss oft für die Eingewöhnung eines Kindes andere Aufgaben zurückstellen oder kann gewissen Verpflichtungen in dieser Zeit nicht nachgehen. Auch wenn die Eltern in dieser Phase dabei sind, so leistet die Nanny einen 100% Einsatz. Sie muss sehr konzentriert sein, um Eltern und Kind mit ihren Eigenheiten wahrzunehmen. Daher ist ein normaler Stundenlohn für die Präsenzzeit angebracht.

 

Das war ein Gastbeitrag vom NannyVerein Schweiz


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