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Warum Rituale und Struktur wichtig sind

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Warum Rituale und Struktur wichtig sind

Ein Gastbeitrag vom NannyVerein Schweiz - Vielen Dank sagt nannyvermittlung.ch

Vorweg: Es gibt schon viele gute Artikel von Pädagogen - als Nanny kann ich vielmehr von meiner Erfahrung berichten und was dies für meine Arbeit bedeutet.

Zwei Begebenheiten, wie ich sie als Nanny erlebt habe:

Schau, wer zu dir kommt!“ werde ich jedes Mal begrüsst, wenn ich kurz vor 11 Uhr an Sanjas* Türe klingle. Nach der gegenseitigen Begrüssung fragt die Mutter Sanja: „Möchtest du auf Szasa‘s Schulter gehen?“ Je nach Stimmung kommt:  „Ja!“ oder  „Nein!“  Im zweiten Fall lassen wir dem kleinen Mädchen ein wenig Zeit und überbrücken diesen Moment mit einer kurzen Unterhaltung. Sanft streiche ich Sanja über den Rücken und nun braucht es nicht mehr lange, bis sie sich mir zuwendet. Kaum in meinen Armen, liegt das Köpfchen auf meiner Schulter. Die Mutter schlüpft in Schuhe und Mantel und öffnet die Türe. Das ist das Zeichen für Sanja. Sie lehnt sich schnell zurück, legt das Köpfchen an die Brust ihrer Mutter und lässt sich einen Abschiedskuss geben. Zuerst gehen wir in die Kuscheltierecke im Kinderzimmer.  Dort setze ich mich mit Sanja auf der Schulter und wir begrüssen alle Stofftiere indem wir für sie singen: „Schön dass du da bist, kleiner Kuschelbär…!“ Zuletzt singe ich für Sanja: „Schön dass du da bist, kleine Sanja…!“ und nun strahlt sie. Meist singe ich noch ein oder zwei weitere Lieder. Sobald sich Sanja von mir löst, kann ich aufstehen und ihr Bett machen. Danach ist es schon Zeit, das Mittagessen vorzubereiten.

Als Nanny betreute ich einen kleinen Jungen. Timo* wurde fast immer von der Mutter gebracht und vom Vater abgeholt. Jeden Abend wechselte ich Timo nochmals die Windeln, dann räumten wir zum Abschluss des Tages gemeinsam die Spielsachen auf. Einmal klingelte der Vater eine Stunde früher. Er wollte seinen Sohn überraschen. Timo war durch das unerwartete Kommen seines Vaters verwirrt, so dass er aufschrie: „Nein!“ und in die Stube zurücklief. Wir sahen uns verdutzt an. Timo freute sich sonst immer, wenn er Papa sah. Nachdem ich den Vater hereingebeten hatte, folgte er Timo in die Stube. Erneut schrie der kleine Junge los. Ich schlug vor, der Vater solle sich doch für eine Weile auf das Sofa setzen. Timo sagte ich, es sei Zeit die Windeln zu wechseln und wir zogen das ihm vertraute Ritual durch. Als wir Jacke und Schuhe anzogen, drehte er sich nach seinem Vater um und bezog ihn in die Handlung mit ein. Nun lachte Timo wieder und die beiden machten sich vergnügt auf den Heimweg.      

Kennst du ähnliche Beispiele? Kennst du das Wörtchen „mehr…“ auch von anderen Gelegenheiten als nur beim Essen? Kleine Sprüche, vertraute Spiele und Handlungen müssen immer wieder wiederholt werden. Warum das so ist? Unser Leben besteht aus Rhythmen: einatmen - ausatmen, essen – verdauen, wachen – schlafen, Tag und Nacht, Sommer und Winter. Wir Erwachsenen haben in unseren Tagesablauf Rituale – wir nennen sie auch Gewohnheiten – aufgenommen, die wir gar nicht mehr bemerken, z.B. jeden Morgen das gleiche Ritual beim Aufstehen oder abends beim ins Bett gehen. So können wir vieles erledigen ohne darüber nachdenken zu müssen. Für das Neugeborene ist alles ungewohnt. Strukturen und wiederkehrende Abläufe vermitteln ihm Halt. Mir ist heute ein strukturierter Tagesablauf ganz wichtig. Die Abläufe vor und während den Mahlzeiten, wann singen oder spielen wir, sogar beim WC und Wickeln gibt es Zeiten und einen festen Ablauf. Von einer Tätigkeit zur andern leite ich mit den gleichen Sätzen über. Schon mit den Kleinsten spreche ich über alles, was wir gerade machen. Irgendwann fangen die Kinder an, einzelne Worte nachzusprechen und schon bald wollen sie gewisse Tätigkeiten selber ausprobieren wie zum Beispiel den Trinkbecher selber halten,  Kleidungsstücke selber anziehen oder einem kleineren Kind helfen.

Dann ist es also nicht möglich, etwas zu machen, das im Tagesplan nicht vorgesehen ist? Oh doch! Gerade weil das Kind den Tagesplan kennt, kann eine Änderung mit ihm angesprochen werden, wie z.B.: Heute gehen wir schon vor dem Znüni einkaufen. Danach darfst du mit Johann* im Foyer Znüni essen und dann könnt ihr gemeinsam spielen." Das Kind hält sich an dem, worauf es sich freut, nickt: "Johann spielen" und macht sich auf den Weg zur Garderobe.

In diesem Sinne wünsche ich allen Familienmitgliedern und Nannies viel Spass und eine schöne Zeit.

* Die Namen wurden geändert

 

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