Betreuung

Kita, Tagesfamilie, Nanny oder Grosseltern: Kinderbetreuung in der Schweiz im Überblick

· von Nadine Wyss

Spätestens wenn der Mutterschaftsurlaub zu Ende geht, stellt sich für viele Familien die grosse Frage: Wer schaut zu unserem Kind, wenn wir beide arbeiten? In der Schweiz gibt es dafür mehrere Wege, und fast alle Familien kombinieren am Ende zwei oder drei davon.

Die Kita

Die Kindertagesstätte ist die bekannteste Lösung. Kinder werden in Gruppen von ausgebildeten Fachpersonen betreut, meist ab dem vierten Lebensmonat. Der Vorteil: feste Öffnungszeiten, ein pädagogisches Konzept und viele andere Kinder zum Spielen. Der Nachteil: Plätze sind in Städten oft knapp, und bei Krankheit darf das Kind nicht kommen.

Ein voller Kita-Tag kostet ohne Subventionen je nach Region zwischen 110 und 150 Franken. Viele Gemeinden vergünstigen die Plätze abhängig vom Einkommen. Es lohnt sich, früh bei der Wohngemeinde nachzufragen. Einen guten Überblick über Qualitätsstandards bietet der Verband kibesuisse.

Die Tagesfamilie

Eine Tagesmutter oder ein Tagesvater betreut einige Kinder im eigenen Zuhause. Das ist familiärer als eine Kita, die Gruppe ist kleiner, und oft sind die Zeiten flexibler. Tagesfamilien sind in der Regel einem regionalen Verein angeschlossen, der vermittelt, begleitet und abrechnet. Die Kosten liegen häufig etwas unter denen einer Kita.

Die Nanny

Eine Nanny kommt zu Ihnen nach Hause. Für Familien mit mehreren Kindern, unregelmässigen Arbeitszeiten oder langen Arbeitswegen ist das oft die entspannteste Lösung: Niemand muss morgens um sieben Uhr ein Kind in Winterkleider stecken. Dafür ist eine Nanny die teuerste Variante, denn Sie sind Arbeitgeberin oder Arbeitgeber, mit Lohn, Sozialversicherungen und Ferienanspruch.

Ein Mittelweg ist das sogenannte Nanny-Sharing: Zwei Familien teilen sich eine Betreuerin, die abwechselnd oder gleichzeitig die Kinder beider Familien betreut.

Grosseltern und Netzwerk

Gemäss Statistiken übernehmen Grosseltern in der Schweiz einen enormen Teil der Kinderbetreuung. Ein fester Grosi-Tag pro Woche ist für viele Familien unbezahlbar, im doppelten Sinn. Wichtig ist, offen über Erwartungen zu sprechen: Wie viele Tage sind realistisch? Was passiert in den Ferien? Und wer entscheidet bei Fragen zu Essen oder Bildschirmzeit?

Welche Lösung passt?

Stellen Sie sich ein paar einfache Fragen:

  • Wie regelmässig sind Ihre Arbeitszeiten?
  • Wie weit ist der Weg zur Betreuung?
  • Was passiert, wenn das Kind krank ist?
  • Wie viel können Sie monatlich ausgeben?
  • Wünschen Sie sich eher Gruppe oder eher Familienanschluss?

Die meisten Familien, die wir kennen, haben eine Hauptlösung, zum Beispiel drei Kita-Tage, und ein Netz für Notfälle: Grosseltern, eine Nachbarin oder eine Babysitterin, die man kurzfristig anrufen kann.

Unser Tipp

Planen Sie früh. Viele Kitas führen Wartelisten, und eine gute Nanny ist selten von heute auf morgen gefunden. Wer schon während der Schwangerschaft die ersten Gespräche führt, erspart sich nach der Geburt viel Stress. Und denken Sie daran: Keine Lösung ist für immer. Was mit einem Baby passt, kann mit einem Kindergartenkind ganz anders aussehen.