Mama-Gesundheit
Der Bauch nach der Geburt: Rückbildung, Rektusdiastase und Geduld mit sich selbst
Neun Monate lang hat Ihr Körper Platz für ein Kind geschaffen. Dass er danach nicht in sechs Wochen wieder aussieht wie vorher, ist völlig normal, auch wenn soziale Medien oft etwas anderes zeigen. Hier erklären wir, was in den Monaten nach der Geburt passiert und was Sie selbst tun können.
Was im Bauch passiert
Während der Schwangerschaft dehnen sich Haut, Bindegewebe und Bauchmuskeln stark. Die beiden geraden Bauchmuskeln weichen in der Mitte auseinander, damit die Gebärmutter wachsen kann. Nach der Geburt bildet sich die Gebärmutter innerhalb einiger Wochen zurück. Muskeln und Bindegewebe brauchen deutlich länger, oft ein ganzes Jahr.
Rektusdiastase: häufig und meist harmlos
Bleibt der Spalt zwischen den Bauchmuskeln auch Monate nach der Geburt deutlich spürbar, spricht man von einer Rektusdiastase. Sie zeigt sich oft als kleine Wölbung in der Bauchmitte, wenn Sie sich aus der Rückenlage aufrichten. Ihre Hebamme oder Ihre Frauenärztin kann den Abstand mit den Fingern messen.
In den meisten Fällen verbessert sich eine Rektusdiastase mit gezieltem Training deutlich. Wichtig ist, nicht zu früh mit klassischen Crunches zu beginnen, denn die erhöhen den Druck auf die Bauchmitte.
Rückbildung: Beckenboden zuerst
Ein guter Rückbildungskurs startet etwa sechs bis acht Wochen nach der Geburt. Viele Krankenkassen beteiligen sich an den Kosten. Im Zentrum steht zuerst der Beckenboden, danach die tiefe Bauchmuskulatur. Typische Übungen sind:
- bewusstes Anspannen des Beckenbodens beim Ausatmen
- seitliches Aufstehen aus dem Liegen statt «Klappmesser»
- Übungen im Vierfüsslerstand
- später Planks in angepasster Form
Wer Beschwerden wie Inkontinenz oder Rückenschmerzen hat, sollte sich an eine Physiotherapeutin mit Fachgebiet Beckenboden wenden. Eine ärztliche Verordnung macht die Physiotherapie in der Regel zur Kassenleistung.
Haut und Bindegewebe
Die Haut erholt sich individuell sehr unterschiedlich. Genetik, Alter, die Anzahl Schwangerschaften und die Gewichtszunahme spielen eine grosse Rolle. Cremes und Öle pflegen, können aber erschlafftes Gewebe nicht straffen. Bewegung, genug Schlaf, soweit das mit Baby möglich ist, und eine ausgewogene Ernährung helfen dem Körper am meisten.
Wenn sich nach Jahren nichts mehr tut
Manche Frauen haben auch zwei, drei Jahre nach der letzten Schwangerschaft trotz Training einen Hautüberschuss oder eine ausgeprägte Diastase, die sie stört. Dann ist ein Gespräch mit einer Fachärztin für plastische Chirurgie sinnvoll. Wer sich zuerst einen neutralen Überblick verschaffen möchte, findet auf OPVergleich.ch eine Übersicht dazu, was eine Bauchstraffung in der Schweiz kostet, und kann Angebote verschiedener Kliniken vergleichen. Ein solcher Eingriff kommt allerdings erst infrage, wenn die Familienplanung abgeschlossen ist.
Seien Sie nett zu sich
Ihr Körper hat Grossartiges geleistet. Geben Sie ihm Zeit, und messen Sie sich nicht an Fotos von Prominenten mit Personal Trainer und Nanny rund um die Uhr. Kleine Schritte, regelmässig gemacht, bringen mehr als ein strenges Programm, das Sie nach zwei Wochen wieder aufgeben.